Gibt es nun einen Gott???
Wenn ich nicht manchmal auf dem Film des Hierseins so derb hängen bliebe, dass mich Wut zerfrisst, Gedanken verhaften oder einfach nur Lächerlichkeit festnagelt, würde ich wohl still und unbemerkt in meinem Kämmerlein hocken, mir das Fernsehprogramm rauf und runter zappen und keinerlei Gram hegen, gegen das hiesige Sein und seinen Facetten.
Nun hat aber der liebe Herrgott, als er die Skepsis und das Nach(!)Denken verteilte, gerade bei der Riege, in welcher ich auch mich wieder fand, einen dermaßen heftigen Hustenkrampf bekommen, dass er die entsprechende Kelle in Gänze nieder schüttete, anstatt das kostbare Elixier tropfenweise, mit seiner durchaus perfekt funktionierenden Pipette zu verteilen.
Leider ging es unserem Herren und Schöpfer gar nicht gut, als er die letzten zwei Jahrhunderte menschlich beseelte, denn ist nicht von der Hand zu weisen, dass er viel zu oft gesaut hat, mit seinen Tinkturen, Tränken, Säften und was er nicht alles hat, aus dem Individuum, DAS Individuum zu machen.
Oder es ging ihm zu gut?! Wir wissen alle, dass unsachgemäßer Umgang mit Alkohol zu Übermut und unbedacht ausgeführten Experimenten führt. Vielleicht torkelte der Allmächtige ja auch, steif wie ein Indianerpfeil, durch die Reihen, Schillers “Freude schöner Götterfunke” in Beethovens Melodie eingepackt, grölend, und schwappste mehr absichtlich, als ungewollt, die Sotte aus Topf und Krug.
Nun aber hat er den Dreck und traut sich nicht mehr, weder in Wort noch in Tat von sich zeugend zu machen, weil ihn schlechtes Gewissen zerbeißt. Und so müssen wir, sozusagen die Alkoholunfälle der hohen Macht, das Beste draus machen, während Selbige in Person ihren Rausch ausschläft, oder einfach auf dem Weg ist, sich den nächsten Sprit zu besorgen. Durchs schwarze Loch, gleich links dreitausend Lichtjahre durch den Park, da solls ‘nen freien Händler geben…
Und so bleibe ich eben hin und wieder, was nicht selten oft ist, auf jenem Film des Denkens hängen und muss sagen, dass ich im Grunde ganz froh bin, mich aufregen zu können, denn hierzu, will man sich berechtigt gewissenlos aufregen, gehört ja schon ein Quäntchen Intellekt. Und so lange der noch Leben beweist, im Pulsieren meines Blutes, weiß ich, jenen Gott zu ehren, indem ich ihn verachte und eigentlich nicht einmal an ihn glaube. (Na wenn das kein erstklassiger Widerspruch ist)
Und wenn der nun doch existiert? Na ja, dann ist es ohnehin egal, wie und was ich lebe, denn, auserwählt bin ich, oder eben nicht. Ich glaube es war Thomas von Aquin, der gesagt hat, dass Mensch schon mit seiner Geburt auserwählt ist, vor dem jüngsten Gericht zu bestehen, oder eben nicht, man solle aber so leben, als sei es so. Ich sage mir, einige hundert Jahre nach diesem eigentlich großen Philosophen: Lebe lieber so, als seiest du es nicht, denn dann hast du gelebt und bereust nicht, wenn du auf dem Sterbebett liegst und feststellen musst, dass es da doch kein Paradies gibt.
Ja, und wenn der Herrgott persönlich erscheint, um mich zu holen, dann bin ich eben auserwählt, trotz des derben Possenspiels, das ich zur auslaufenden Lebzeit trieb. Und wenn nicht, fahr ich zur Hölle, was solls.
Das wäre mir am Ende auch lieber, als mit einem volltrunkenen Gott in den Himmel zu fahren! Am Ende kommen wir beide noch in die Hölle und ich werd den Saukerl nie mehr los…